PM: Nachhaltige Verbesserungen stehen noch aus

Studierende sehen Ihre Erfolge nur als ersten Schritt

Die Mainzer Medizinstudierenden plädieren weiterhin für eine Anerkennung ihrer Leistung im PJ in Form einer Aufwandsentschädigung, die an allen Lehrkrankenhäusern einen gewissen Mindeststandard umfassen sollte: freie Kost & Logis!

Es geht dabei um umgerechnet ca. 380 EUR pro Monat[1] – also rund 3,10 EUR / h[2].
So viel – so die Forderungen – sollten den Lehrkrankenhäusern der Universitätsmedizin Mainz ihre Studierenden wert sein, wenn sie im praktischen Jahr mindestens 30 Stunden pro Woche im Stationsalltag eingebunden mitarbeiten. Schließlich haben die Studierenden zu diesem Zeitpunkt alle theoretischen Prüfungen erfolgreich bestanden (sie sind „scheinfrei“) und sollen im letzten Jahr ihres Studiums noch lernen, dieses Wissen auch praktisch anwenden zu können.

Bisher erhalten die Medizinstudenten von der großen Mehrheit der Lehrkrankenhäuser als Gegenleistung lediglich ein Mittagessen und Arbeitskleidung.
„Jede ungelernte Hilfskraft, die am Tag drei Stunden Blut abnimmt, bekommt mehr Geld als wir. Das sorgt natürlich für Unmut.“, so ein Student im 10. Semester Humanmedizin an der Universitätsmedizin Mainz. „Für ein Krankenhaus gibt es keine billigeren Arbeitskräfte als Studenten im PJ, denn wir werden nicht ganztags unterrichtet, sondern übernehmen selbstverständlich auch Routinetätigkeiten. In gewissen Grenzen ist dies auch vollkommen akzeptabel, denn schließlich wollen wir als zukünftige Kollegen wahrgenommen werden. Doch gebührt dieser Entlastung für die Ärzte vor Ort eben auch eine Anerkennung.

Genauso schwierig wie Lehre und Forschung klar voneinander zu trennen, ist dies bei Arbeit und Ausbildung.
„Deshalb bekommen Jura- und Lehramtsstudenten für ihre Zeit der praktischen Ausbildung bereits ein richtiges Gehalt“, so Nils Utz, Student im 10. Semester Humanmedizin an der Universitätsmedizin Mainz. „Während wir im praktischen Jahr noch Studierendenstatus haben, gehen Jura- und Lehramtsstudenten ein Arbeitsverhältnis ein. Dies bringt Vor- und Nachteile mit sich. Doch ist nicht einzusehen, warum unsere Arbeit so unterschiedlich bewertet wird, denn wir alle haben unsere theoretische Ausbildung beendet und auch als Medizinstudent muss man seinen Lebensunterhalt bestreiten wie jeder Andere.“
Ihre Forderungen halten die Studierenden daher für nicht übertrieben. Schließlich haben sie bis zum praktischen Jahr bereits 7 Monate lang unbezahlte Praktika in Ihrer vorlesungsfreien Zeit absolviert. Wie ernst die Lage sei, erkenne man auch daran, dass auf Bundesebene alle Interessenvertretungen der Ärzte einheitlich weitaus höhere Forderungen an die Lehrkrankenhäuser stellen würden.
Zudem: „Das Ausland macht vor, dass es auch Anders gut geht“, so Utz. „Die Universitätsmedizin Mainz hat jetzt die Chance sich neu zu positionieren und sich dabei für die Zukunft einen Standortvorteil zu verschaffen.“ [3]

Nach Ansicht der Studenten profitieren letztendlich auch die Lehrkrankenhäuser von den Studierenden.
Sie dürfen sich nicht nur mit dem Titel „akademisches Lehrkrankenhaus“ schmücken, der allgemein als Wettbewerbsvorteil gilt, sondern können sich dem Nachwuchs gleichzeitig als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. „Dies ist insbesondere in Zeiten des Ärztemangels ein ganz entscheidender Vorteil“, so Anatol Prinzing, ebenfalls Student der Humanmedizin im 10. Semester.
Unterstrichen wird seine Aussage von Herrn Gaß, Vertreter des neuen Lehrkrankenhauses in Alzey: „
Qualifizierter Nachwuchs ist heutzutage nur schwer zu finden, als Lehrkrankenhaus hat man es einfacher, da der Kontakt zu jungen Leuten schon frühzeitig hergestellt wird.“ (AZ vom 13.01.10)

Am Montag Abend, den 11.01.2010, hatten die Mainzer Medizinstudenten zu einer Podiumsdiskussion geladen, bei der sich Professoren und Bildungsministerin Ahnen Fragen zu Missständen in der Lehre stellen mussten. Der außerordentlich gute Besuch der Veranstaltung unterstrich eine zentrale Botschaft: „die Sorgen der Studierenden ernst nehmen“.
Auf konkrete Zugeständnisse von Seiten der Universitätsmedizin oder der Politik mussten die Studenten leider verzichten, doch versicherten alle Parteien in Zukunft die inhaltliche Diskussion weiter fortführen zu wollen.

Durch Ihre Protestaktionen im Herbst 2009 und Januar 2010 war es den Studierenden gelungen, sowohl eine Umverteilung von Geldern aus dem Lehr- in den Forschungsetat-, als auch eine Begrenzung der Aufwandsentschädigungen im praktischen Jahr zu verhindern.
Doch sehen die Studierenden diese Erfolge nur als ersten Schritt auf dem Weg hin einer besseren Lehre.


[1] 4 € für ein Mittagessen inkl. Getränk (80 € / Monat) + 300 € Mietzuschuss oder Wohnheim / Monat

[2] Bei einer von der AppO vorgeschriebenen Mindestarbeitszeit von 38,5h / Woche (in der Rechnung wurden bereits die 8h Eigenstudium abgezogen!)

[3] Bestätigung findet er in einer Studie der Zeitschrift Via Medici, in der PJ-Studenten über ihre Zufriedenheit während des praktischen Jahres 2009 befragt wurden. Dabei war nicht nur der „Verdienst“, sondern auch der Lerneffekt im Ausland im Durchschnitt um 10% höher als in Deutschland; verglichen mit der Schweiz sogar um knapp 20%.

Eine Antwort zu „PM: Nachhaltige Verbesserungen stehen noch aus“

  1. PM: Stellungnahme der Medizinstudenten auf die Pressemitteilung der Universitätsmedizin Mainz zur „Neuregelung der Praktischen Jahr (PJ) Vergünstigungen“ « AG Lehre & Etat an der Universitätsmedizin Mainz Sagt:

    [...] die Lehrkrankenhäuser könnten auf Grund knapper Kassen die Neuregelung verhindern (vrgl. PM vom 12.01.2010). Doch wird das große Engagement seitens der Studierenden mit dieser Pressemitteilung endlich [...]


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